Manche Stimmen verschwinden aus der Geschichte. Andere scheinen nur zu verstummen – bis man sie plötzlich umso deutlicher hört.
Mit einer Sinfonie von Pieter Van Maldere bringt Terra Nova Collective eine solche Stimme wieder zum Klingen. Der Brüsseler Komponist war im 18. Jahrhundert keineswegs eine Randfigur, sondern ein europaweit präsenter Musiker, dessen Werke gedruckt, gespielt und gesammelt wurden. Heute steht seine Musik im Zentrum des Quartbuch-Projekts: der Wie-derentdeckung eines Repertoires, das einst selbstverständlich zum europäischen Musikle-ben gehörte.
Auch Mozart erscheint in diesem Programm in ungewohnter Perspektive. Seine g-Moll-Sinfonie KV 550 erklingt in der ursprünglichen Fassung ohne Klarinetten. Das vermeintliche Fehlen schärft den Blick: Der Klang wird durchsichtiger, die musikalische Sprache unmittel-barer. Eine der bekanntesten Sinfonien zeigt ein anderes Gesicht.
Erst im Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 tritt jene Stimme hervor, die zuvor fehlte – nun nicht mehr als Farbe im Orchester, sondern als Solistin. Gespielt auf historischen Instrumenten und mit Bassetklarinette entfaltet sich jener erweiterte Klangraum, den Mozart für dieses Werk gedacht hat.
Dass Vlad Weverbergh das Konzert zugleich leitet und als Solist gestaltet, verleiht dem Pro-gramm eine eigene Dramaturgie: Die Stimme kommt nicht von außen hinzu, sondern entwi-ckelt sich aus dem Orchester heraus.
So wird „Die Stimme, die fehlt“ zu einem Abend des Wiederhörens – eines vergessenen Komponisten, eines vertrauten Mozart in neuer Gestalt und eines Instruments, das am En-de spricht, als wäre es nie verstummt.
Terra Nova Collective spielt auf historischen Instrumenten. Vlad Weverbergh leitet das En-semble und übernimmt zugleich den Solopart auf der Bassetklarinette.